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Tauchen nach zahnärztlichen Eingriffen - Empfehlungen für die Karenzzeit

Autorenbild: M. med. dent. Moritz JonaschM. med. dent. Moritz Jonasch

Das Tauchen stellt besondere Anforderungen an den Körper, insbesondere was die Druckverhältnisse in den Körperhöhlen betrifft. Nach zahnärztlichen Eingriffen sollte eine angemessene Wartezeit eingehalten werden, um Komplikationen zu vermeiden. Dass die Zähne im Oberkiefer sich in unmittelbarer Nähe zur Kieferhöhle befinden, macht sie zu einem wichtigen Teil eines reibungslosen Druckausgleichs. Auch beim Halten des Atemreglers ist eine stabile Zahnreihe von zentraler Bedeutung. Es wirken daher über die Dauer des Tauchgangs nicht unerhebliche Kräfte auf die Zähne und den Kiefer. Aus diesen Gründen sind gerade chirurgische Eingriffe, welche teils aufwändigere Techniken zum Knochenaufbau im zahntragenden Bereich benötigen, mit langen Wartezeiten behaftet.

Dekoblog freut sich über den Gastbeitrag und die Expertise von M. med. dent. Moritz Jonasch, Zahnarzt und seit Kurzem begeisterter Sidemount-Taucher.


Sidemount-Tauchen ist entspannend. Auch fürs Kiefergelenk? Foto: Simone Golling


Diese Empfehlungen orientieren sich an der notwendigen Heilungszeit und nicht allein an der Art des Eingriffs. Darüber hinaus spielt die geplante Tauchtiefe eine entscheidende Rolle - das Risiko steigt mit zunehmender Tauchtiefe oder anspruchsvolleren Tauchprofilen. Diese Empfehlungen widerspiegeln die persönliche Meinung des Autors. Nach einem Eingriff ist immer eine individuelle Rücksprache mit den Behandelnden zu empfehlen.

 

1. Keine Wartezeit erforderlich

 

Für die folgenden zahnärztlichen Eingriffe ist keine Wartezeit erforderlich:

 

  • Zahnreinigung

  • Zahnaufhellung (Bleaching)

  • Füllungen ohne Lokalanästhesie (Betäubung)

  • Bei Füllungen mit örtlicher Betäubung wird empfohlen zu warten, bis die Betäubung vollständig abgeklungen ist. Um auf Nummer sicher zu gehen, wird eine Wartezeit von 12 Stunden empfohlen.


Es gilt der gesunde Menschenverstand. Diese Empfehlungen sind keine Aufforderung, direkt nach dem Zahnarzttermin abzutauchen.

 

2. Wartezeit von ca. zwei Wochen

 

Nach den folgenden Eingriffen wird eine Wartezeit von mindestens zwei Wochen empfohlen:

 

  • Nicht-chirurgische Parodontaltherapie (Behandlung von Zahnfleischerkrankungen)

  • Einfache Zahnextraktionen (Zahnentfernungen)

 

Das Tauchen sollte erst nach der Entfernung der Fäden und einer abschließenden Nachkontrolle durch den Zahnarzt erfolgen.

 

3. Wartezeit von ca. einem Monat

 

Komplexere Eingriffe erfordern eine längere Heilungszeit. Dazu gehören:

 

  • Einfache Wurzelspitzenresektionen (Entfernung der Wurzelspitze eines Zahns)

  • Komplexe Zahnextraktionen (z. B. mehrere Zähne, komplizierte Operationstechniken)

  • Einfache Implantationen mit geschlossener Einheilung

  • Chirurgische Parodontaltherapie (Behandlung von Zahnfleischerkrankungen)

  • Kleine Mund-Antrum-Verbindungen (MAV, Verbindung zwischen Mundhöhle und Kieferhöhle)

 

Die Mund-Antrum-Verbindung kann bei verschiedenen Eingriffen (Zahnextraktion, Sinusbodenelevation, Wurzelspitzenresektion, Implantation) entstehen und muss vor dem Tauchen vollständig ausgeheilt sein. Die Standardwartezeit bei kleinen Öffnungen beträgt mindestens einen Monat, kann aber bei Komplikationen oder grösseren Öffnungen auch länger sein.

 

4. Wartezeit von mehr als einem Monat


Einige chirurgische Eingriffe beinhalten aufwändigere Operationstechniken, welche eine längere Einheilzeit von drei bis sechs Monaten mit sich führen. Da diese Eingriffe aber individuell sehr unterschiedlich sind, sollte der behandelnde Zahnarzt/Chirurg über die endgültige Wartezeit entscheiden. Beispiele hierfür sind:

  

  • Chirurgische Eingriffe mit aufwändigen Verfahren zum Knochenaufbau z.B.

    • Sinusbodenelevation bei Implantation (Hebung des Kieferhöhlenbodens)

    • Beckenkammtransplantation

    • Knochenaufbau mit Hilfe von Membranen

  • Entstehung einer Mund-Antrum-Verbindung (Verbindung von Mund zur Kieferhöhle) und deren Verschluss

  • Grosse Knochendefekte z.B. nach Zahnextraktion oder Zystenentfernung. Je nach Grösse des Defekts kann das Risiko eines Kieferbruchs erhöht sein

 

 5. Fälle mit allgemeinem Tauchverbot

 

Bei Schmerzen oder Schwellungen in Zahn- und Kieferbereich sollte keinesfalls getaucht werden. Ein generelles Tauchverbot wird in den folgenden Situationen empfohlen:

 

  • Laufende Wurzelbehandlung:

    • Bei der Medikamenteneinlage kann es zu Lufteinschlüssen kommen, was zu druckbedingten Komplikationen führen kann.


  • Laufende Kronen- oder Brückenversorgung mit provisorischen Kronen:

    • Aufgrund des Aspirationsrisikos (Einatmen von gelösten Teilen) ist Tauchen nicht ratsam.

 

6. Individuelle Entscheidung

 

Die folgenden Situationen müssen von Fall zu Fall beurteilt werden:

 

  • Prothesen, Teilprothesen, provisorische Drahtklammerprothesen und Ähnliches:

    • Manche Taucher haben damit keine Probleme, während andere Schwierigkeiten haben. Entscheidend ist die Stabilität beim Halten des Mundstücks, evtl. ist eine Anpassung durch den Zahnarzt sinnvoll.


  • Festsitzende kieferorthopädische Apparaturen:

    • Auch hier besteht die Gefahr, dass sich Einzelteile oder Drähte lösen. Ausserdem kann das Aufbeissen auf das Mundstück unangenehm sein. Eine allgemeine Empfehlung lässt sich aufgrund der vielen unterschiedlichen Apparaturen nicht aussprechen.

 

Schwellungen beeinträchtigen die Entsättigung und können lokale Dekompressionssymptome begünstigen.

7. Weisheitszähne - Überlegungen

 

Weisheitszähne, die auch als dritte Molaren bezeichnet werden, brechen oft in den späten Teenagerjahren oder Anfang der Zwanziger durch. Bei manchen Menschen bleiben sie ohne Probleme erhalten, oft jedoch führen diese Zähne wegen Durchbruchsschwierigkeiten, Platzmangel oder Verlagerungen zu Problemen und müssen daher entfernt werden.

  

Richtlinien für das Tauchen nach einer Weisheitszahnentfernung

 

  • Warten Sie nach unkomplizierten Extraktionen mindestens vier bis sechs Wochen, bevor Sie tauchen. Bei sehr grossen Defekten kann diese Wartezeit jedoch deutlich länger sein.

  • Konsultieren Sie Ihren Zahnarzt oder Kieferchirurgen, bevor Sie wieder tauchen.

  • Vergewissern Sie sich, dass Sie einen Atemregler für die Dauer eines Tauchgangs ohne Schmerzen oder Beschwerden halten können.

  • Vermeiden Sie das Tauchen bei Einnahme von Schmerzmitteln, die das Urteilsvermögen beeinträchtigen oder mit der Stickstoffnarkose interagieren können.

 

Beachten Sie bei anhaltenden Schwellungen, dass die Stickstoffentsättigung beeinträchtigt sein kann und es deshalb lokal zu Dekompressionsbeschwerden kommen kann.

 

8. Kiefergelenksprobleme und Probleme der Kaumuskulatur

 

Probleme im Bereich des Kiefergelenks oder muskuläre Probleme des Kauapparats können Tauchen erschweren oder sogar unmöglich machen und sind ein bekanntes Problem beim Tauchen.

Folgende medizinische Umstände können Probleme begünstigen:

 

  • Bruxismus (Zähneknirschen)

  • Diskusluxationen im Kiefergelenk (Verschiebung der Gelenksscheibe)

  • Muskuläre Verspannungen

  • Kiefergelenksluxation (Ausrenken des Kiefergelenks)

 

Entscheidend ist neben der Absprache mit dem behandelnden Arzt, dass das Mundstück problemfrei für die Dauer des Tauchgangs gehalten werden kann. Teilweise können die Beschwerden durch lange Tauchgänge verschlimmert werden. Ein passendes individuell angepasstes Mundstück kann eine Hilfe sein.

Auch spielt das Setup beim Tauchen eine grosse Rolle. Man denke an einen langen Tauchgang mit schlecht angepasster Ausrüstung, bei dem die short hose kontinuierlichen Zug auf das Mundstück ausübt. Dies kann den Kiefer, das Kiefergelenk und auch die Kaumuskulatur stark belasten.

 

Im Extremfall wäre sogar zu prüfen, ob eine Zahnschiene Abhilfe schafft.

 

9. Weitere Überlegungen

 

Das zu den Weisheitszähnen Gesagte gilt selbstredend für Schwellungen jeglicher Art. Bei grösseren Schwellungen sollte deshalb nicht getaucht werden.

 

Stärkere Schmerzmittel (z. B. Kodein, Oxycodon) können mit Stickstoff interagieren und das Risiko eines Tiefenrausches resp. einer Beeinträchtigung des Urteilsvermögens erhöhen.

 

Werden weitere Medikamente eingenommen, z.B. Blutverdünner, sollte nach zahnärztlichen Eingriffen das Risiko für Komplikationen individuell ggf. in einer tauchmedizinischen Konsultation beurteilt werden.

 

Fazit

 

Die Wartezeit nach zahnärztlichen Eingriffen hängt von der Komplexität des Eingriffs und den individuellen Heilungszeiten ab. Während einfache Behandlungen nur minimale Risiken bergen, erfordern invasivere Verfahren wie Extraktionen, Implantate und Knochenaufbauten längere Erholungszeiten. Insbesondere die Extraktion von Weisheitszähnen sollte lange vor einer Tauchreise geplant werden, um Störungen zu vermeiden. Besprechen Sie sich unbedingt mit Ihrer Zahnärztin/Ihrem Zahnarzt, um ein sicheres Tauchen zu gewährleisten.

 
 
 

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